Angis Abenteuer in Kanada

27Juli
2013

Freie Tage in Toronto


Seit unserer Ankunft muss man eigentlich sagen, dass wir noch nicht besonders viel von Toronto wirklich angesehen haben.  
In den ersten Tagen waren wir quasi nur mit der Suche nach Wohnung und Arbeit beschäftigt, alles andere war erst einmal zweitrangig.
Dann fing Jan an zu arbeiten, und ich auch, und auf einmal hatten wir für gar nichts mehr Zeit und manchmal eine ganze Woche lang keinen einzigen freien Tag zusammen.
Inzwischen habe ich Sonntags immer frei (das ist hier sonst ein ganz normaler Geschäftstag), und Jan ist das Wochenende ja sowieso zuhause.
Dadurch, dass wir aber fast überall zu Fuß hingehen, haben wir schon einige Nachbarschaften gesehen.

CANADA DAY
Der erste entspannte Tag war eigentlich der 1. Juli - Happy Birthday Canada! Mit den British North America Acts bzw. Constitution Acts vom 1.7.1867 wurde Kanada gebildet.
Jan arbeitet sehr häufig in einem Team mit einem Kanadier namens Mario. Trotz eines großen Altersunterschieds verstehen sich die beiden sehr gut, und so wurden wir zum BBQ eingeladen, um zusammen mit Mario, seiner Frau, sowie Freunden und Nachbarn der beiden, Canada Day zu feiern.

An diesem Punkt fallen mir gerade noch zwei Dinge über Kanadier ein. 
Das Erste: Jeder in Kanada kommt eigentlich von woanders. Wenn man die Leute fragt, wo sie herkommen, mögen viele zwar sagen, sie seien Kanadier. Doch hakt man nach, erfährt man, dass sie in irgendeinem anderen Teil der Welt geboren wurden, viele z.B. in Süd- und Mittelamerika und Asien. Und selbst die, die hier geboren wurden, sagen, sie hätten einen deutschen Großvater und eine irische Großmutter und vielleicht auch noch einen Jamaicanischen Urgroßvater. Mario zum Beispiel, wie man vielleicht am Namen erkennen kann, hat italienische Wurzeln. Aber vor allem sind Abstammungen aus den Ländern des Vereinigten Königreiches, dem deutschsprachigen Raum und Osteuropa anzutreffen. 
Außerdem ist dieses Land unglaublich jung.
So ist es kein Wunder, dass es keine wirklich gefestigte "kanadische Kultur" gibt. Kanada ist ein Schmelztiegel für so unglaublich viele Nationen und daher eine bunte Mischung. Zumindest hat das für eine gewisse Offenheit gesorgt.
Das Zweite: Gras wird hier geraucht wie Tabak. Es ist zwar nicht legal, aber darum schert sich mal wieder keiner (es hält sich auch niemand an Verkehrsregeln, hier ist das alles etwas anders). Man riecht es an so mancher Straßenecke, Menschen aller Altersklassen rauchen, und auch beim BBQ sind ein, oder zwei, oder drei Röllchen verschwunden. Ich bin ja ein braves Mädchen, schon en Geruch finde ich nicht sonderlich ansprechend. Aber hier stehen die alle total drauf.

Womit wir aber auch wieder beim BBQ wären. Das Essen war klischeehaft. Zur "Vorspeise" gab es Burger. Drei verschieden marinierte ganze Hähnchen wurden danach im Grill zur saftigen Perfektion gegart. MMHHMMM Dazu Knoblauch-Kartoffel-Mus, Mais vom Kolben, Chips - und Salat, den allerdings wir mitgebracht hatten, und somit eine gesund-deutsche Note unter das ganze setzten. Eis als Nachtisch füllte den Bauch bis oben hin. Und zum Runterspülen gab es Wodka-Bowle und natürlich jede Menge Bier. Was für ein Festmahl;-)

 

DOWNTOWN 
An einem der letzten freien Tage nutzten wir das gute Wetter, und machten uns auf den langen Fußmarsch zur Harborfront. Dabei ging es durch den absoluten Stadtkern.

   

Hier stehen wir vor dem Einkaufszentrum, in dem ich arbeite.
An seinem Ende ist ein Platz, der an bisschen an eine Mini-Version des Times-Squae erinnert, mit seinen ganzen Reklamen.



Chinatown ist mehr oder weniger ein Abschnitt einer großen Straße, gesäumt von chinesischen Restaurants, billigen chinesischen Supermärkten und Friseuren sowie diesen Biligkram-Schnickschnack-Läden.


In meinem treuen Reiseführer waren zwei Dinge am Hafen als sehr nett beschrieben worden, für uns jedoch war es eher eine Enttäuschung. Das erste sind die Spadina Quay Wetlands, ein ehemaliger Parkplatz, der neu bepflanzt wurde und ein kleines, unglaublich artenreiches neues Biotop bildet. Tadaaaa:



Aha. Busch. Von den großartigen Fischen, Vögeln und Schmetterlingen haben wir nichts zu sehen bekommen.

Also weiter ging es in den Toronto Music Garden. Hier hat man ein klassisches Musikstück (Bach's Suite No. 1 in G Major for unaccompanied cello) als einen Garten dargestellt. Nun ja, ich weiß nicht, was wir erwartet haben, es war halt ein Garten. Und ich glaube, ich habe schon schönere gesehen. 

 

Zumindest gab es gerade eines der vielen kostenlose Live-Konzerte auf der Freilichtbühne, sodass wir ein paar Minuten orientalische Klänge genossen.

KENSINGTON MARKET
Der Kensington Market ist so etwas wie ein Mini-Schanzen-Viertel (aber wirklich mini). Alternative Klamotten- und Accessoire-Läden sowie kleine Cafés und Bars kann man hier finden. Es gab unter anderem ein Café, in dem himmlisch aussehende und gleichzeitig höllisch teure Pies verkauft wurden. Ich traf mich in diesem Viertel mit Delphine (die mit mir auf der Farm gewwooft hatte) zum Frühstück. Es war ein schönes Wiedersehen:)
 

JACK ASTORS
Apropos Freunde treffen. Das Jack Astors ist eigentlich nicht besonderes, sondern nur ein Restaurant bzw eine Bar direkt am Eaton Center. Aber ich mag es dort, und habe schon ein paar nette Abende dort verbracht, mit einem deutschen Pärchen, dass ich hier kennengelernt habe, mit einer Freundin aus Banff, die auf der Durchreise war, und mit zwei Kolleginen nach der Arbeit. Ich habe mir sogar mal einen Cocktail ermogelt, obwohl ich noch gar nicht im Trinkalter war (denn das bin ich erst seit gestern). Auf jeden Fall war es immer lecker.

 

Da krieg ich gleich schon wieder Hunger...;)

TORONTO ISLAND PARK
An einem besonders heißen Tag war uns danach, an den Strand zu gehen. Gesagt, getan: direkt vor dem Stadtkern liegen im Lake Ontario ein paar Inseln, die mit einer Fähre innerhalb einer 15-minütigen Überfahrt erreicht werden können. Auf der Insel kann man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf Inline-Skates alle Teile, teilweise über Brücken, erreichen. Es war ein wunderschöner Tag.


Dieses letzte Schild verwirrte mich nach den "Rasen-Betreten-Verboten"-Schildern zuhause doch etwas:D

Man hat auch einen tollen Blick auf Skyline:



Bald hatten wir auch den Strand erreicht.



Wir verbrachten einige Zeit am Wasser, allerdings war es nicht ganz so sauber am Strand, wie wir das gewöhnt sind, und so suchten wir uns bald einen Platz auf einer Wiese. Aber auch das war nicht zufriedenstellend, nachdem wir von gefühlt 2847 Ameisen überkrabbelt wurden. Daraufhin fanden wir zwei Bänke zum fläzen, sonnten uns und schmökerten noch eine Weile. 
Alles in allem ein gelungener Ausflug!



MEIN GEBURTSTAG
An meine Geburtstage vor dem sechsten Lebensjahr kann ich mich weißgott nicht erinnern. Mit dem 6. Geburtstag fing die Dänemark-Ära an. Dieses Jahr war das erste, in dem wir zwei Wochen Sommerurlaub in Dänermark machten, und es sollten bis heute noch 9 weitere folgen. 2 andere Jahre verbrachten wir den Urlaub in Frankreich.
Soweit meine Erinnerungen: Einmal saß ich an meinem Geburtstag im Flugzeug, einmal standen wir auf dem Weg zum Ziel im Stau. Jedes Jahr, das ich zuhause feierte, bekam ich eine Torte mit Erdbeeren. Jedes Jahr, das wir in Dänemark verbrachten, bekam ich einen Himbeerkuchen mit der besten Vanillesauce der Welt. Nie musste ich meinen Kuchen selber backen. Bis auf die beiden Jahre, an denen die Anreise stattfand, war ich jedes Jahr an meinem Geburtstag am Strand; oder früher im Farup-Park (ein kleinerer Heidepark, vor allem für Kinder). Nicht einmal blieb ich auf, um Mitternacht zu erleben, immer ging ich zu Bett und mein Geburtstag begann erst, nachdem ich morgens ausgeschlafen aufwachte. Jeden Morgen genoss ich ein vielfältiges, leckeres Frühstück mit meiner Familie. Immer wartete ein reich bestückter Geburtstagstisch auf mich, besonders in KindertagenMit dem Alter wurden die Geschenke größer und teurer, und somit auch weniger; aber meine Mutter schafft es immer, nützliche und nette Kleinigkeiten zu besorgen, nur damit ich etwas zum Auspacken habe, was ich sehr genieße:D...Jedes Jahr gibt es ein Bild von mir, wie ich breit grinsend vor diesem Tisch mit eingepackten Paketen sitze, vorzugsweise in Schlafanzug oder Bademantel. Nur einmal hatten wir schlechtes Wetter. Und nicht einmal war ich krank. 
Tja, dieses Jahr war das alles etwas anders.
Schon Dienstag kündigte sich eine dicke Erkältung an, und Mittwoch und Donnerstag verbrachte ich komplett im Bett. Auch Freitag, an meinem Geburtstag, war ich nicht wirklich fit. Immerhin gibt es das obligatorische Bild, sogar original in Schlafanzug, aber nur, weil ich ihn den ganzen Tag nicht ausgezogen hatte - es wurde nicht morgens, sondern Mittarnachts aufgenommen, ich war tatsächlich so lange auf geblieben. Um 10 Uhr abends fing ich an, mir schnell selbst einen Kuchen zu backen, einen absolut un-beerigen Kokos-Blechkuchen. Auch wenn das nicht der Tradition entspricht, ist er zum Glück ganz lecker geworden (da fällt mir ein, ein Stück ist noch da mhhmm;)...).

Ich hatte mich auf einen mehr oder weniger langweiligen Tag zuhause eingestellt. Den Vormittag verbrachte ich mit Lesen im Bett. Mittags hielt ich es aber nicht mehr aus, und ich raffte mich auf, mit Jan nach draußen zu gehen. Mit der Straßenbahn fuhren wir an den Strand und wir machten einen kleinen Spaziergang.

 

Das war sehr nett und munterte mich auf. Trotzdem musste ich ich erst einmal ein wenig ausruhen, bevor es dann abends zum Essen beim Japaner ging.



LECKER!

Ich bin ein bisschen von mir selbst überrascht, dass mir die "Traditionen" so fehlen. Darauf bin ich auch wirklich nur zweimal im Jahr bedacht: an Heiligabend, und an meinem Geburtstag. Wenn ich es mir aussuchen kann, würde ich es immer wieder so erleben wollen, wie in meiner Kindheit; beide Tage, jedes Jahr. Ich verbinde einfach so viele positive Erinnerungen damit. Mir hat das alles und auch meine Familie gestern sehr gefehlt. Trotzdem, mit all meinen Möglichkeiten habe ich, vor allem Dank meines Jans Gesellschaft, einen schönen Tag verbracht:)

NIAGARA FALLS

Sie liegen zwar nicht in Toronto, sind aber ein beliebtes Tagesauflugsziel für die Städter. Und die, die die Fälle schon hundertmal gesehen haben, fahren ebenfalls gerne hin, um in den Casinos ihr Glück zu versuchen.
Glück hatten wir ebenfalls, als Jans Kollege mit Frau (die, bei denen wir auch am Canada Day waren) uns einluden, am Wochenende zu den Fällen zu fahren. Morgens hin ud abends zurück; die beiden im Casino, und Jan und ich hatten freie Zeit, alels zu erkunden.

Ich war mir ja ziemlich sicher, dass es enttäuschend sein würde, mit den ganzen Touristen und so. Und ja, es war auch wirklich komplett überlaufen. Der Ort an sich ist so bunt wie der Times Square in New York. Aber das alles kann den eigentlichen Fällen nichts nehmen, sie sind absolut gewaltig und beeindruckend! Zwar sind sie bei weitem nicht die höchsten Wasserfälle auf diesem Planeten (ich selbst habe auf Island schon höhere gesehen); aber an keiner anderen Stelle der Erde stürzen so viele Liter Wasser auf einmal in die Tiefe. Wow. So, genug geschnackt, endlich Bilder:




27Juli
2013

Projekt "Eigene Wohnung"

Möchte man ein paar Wochen an einem Ort verweilen und auch arbeiten, empfiehlt es sich, eine Wohnung oder ein Zimmer zu mieten, da es a) netter und b) günstiger ist, als ein Hostel. 
Im Endeffekt hatten wir Glück, und vom jetzigen Standpunkt aus war es auch wirklich schnell, obwohl es mir bei den vielen Absagen ewig vorkam. Viele Mails bleiben ohne Erfolg, vielversprechend klingende Angebote sollten auf einmal teurer werden, oder sie wollten keine Paare aufnehmen, oder für eine längere Zeit als zwei Monate vermieten, oder es lag so weit außerhalb, dass wir beide ständig mit der Bahn hätten fahren müssen.
Überhaupt sind manche Anzeigen wirklich ein Witz. Die Wohnungssuche bei Craigslist zum Beispiel ist eine Single-Börse, wo Männer auf Frauensuche gehen. FEMALES ONLY steht dann dort, und in der Beschreibung, dass ein Mann eine „Mitbewohnerin“ sucht. Mhmhh... Ja und manche machen es auch weniger subtil „your secret hide-away“ war das Angebot für eine attraktive, junge Frau, das angebotene Zimmer ab und zu als Rückzugsort zu benutzen. Bezahlung würde keine verlangt werden, nur, dass ab und zu die Tür offen stehen bliebe, wenn sie sich umzieht.....
Zum Glück erhielten wir schon nach wenigen Tagen ein vernünftiges Angebot, Paare erlaubt, Kurzzeitmiete kein Problem, 15 min zu Fuß zum absoluten Stadtkern.
Sie liegt in einer ruhigen Straße mit kleinen Familienhäusern, die dicht an dicht stehen, wie es für hier üblich ist. Es ist eine Kellerwohnung, aber mit Fenstern, nicht superhell, aber auch nicht düster. Das Zimmer ist mit den wichtigsten Möbeln ausgestattet (juhuu, Koffer auspacken angesagt – endlich). Die Küche ist nur eine Zeile im Durchgang, aber mit Herd, Ofen, Kühlschrank und Spüle sowie Töpfen, Geschirr, Besteck und den Basis-Utensilien wir Dosenöffner und Pfannenwender bietet sie erst einmal alles, was man zum Überleben braucht. Auf den ersten Blick wirkte alles einigermaßen in Ordnung, das Bad wollte einmal geschrubbt werden, ich fand angetrocknete Essenreste im Kühlschrank und der Ofen war innen wirklich verschmiert und verkrustet; was aber noch gereinigt werden würde, so versprach man uns. Und dann der Preis: 300 Dollar pro Person pro Monat, das war mit Abstand das günstigste Angebot, was wir überhaupt gefunden hatten! Außerdem wirkte die Vermieterin sehr nett und bemüht, und vor allem ehrlich. Also beschlossen wir, schon 2 Tage nach der Besichtigung einzuziehen.

Am Abend des Umzugs stand ich dann mit zwei großen, schweren Koffern, einem vollgepackten Rucksack, einem Schlafsack, einer großen Laptoptasche, einer schweren großen und einer kleinen Handtasche sowie 2 Beuteln mit Essen und sonstigem Kleinkram im Hostel und fragte mich, wie ich den 20 minütigen Fußweg zum Haus allein schaffen sollte, denn Jan war noch bei der Arbeit und würde erst spät nachts wiederkommen. Kim (die Vermieterin) rief mich an, ob es bei der verabredeten Zeit bleiben würde, und ich erzählte ihr von meinem Problem...da ich wusste, dass sie ein Auto besitzt....und tatsächlich bot sie an, die Sachen mit dem Auto abzuholen. Wie erleichtert ich war!! Allerdings war der halbe Kofferraum schon voll, und der Vormieter – ein Freund von ihr – war auch dabei, sodass zwar alles Gepäck ins Auto passte, meine Person jedoch nicht.
So musste ich sie mit all dem Zeug abfahren lassen und selbst zu Fuß gehen – ein wenig mumlig war mir dabei schon, also trieb ich mich zur Eile an. Meine Sorgen waren aber natürlich – zum Glück – unbegründet; als ich ankam, waren beide noch am putzen, und unser Gepäck war sicher im Auto.
Als die beiden gingen, war ich erstmal froh, allein zu sein, und endlich in unserer eigenen Bude!! Der Boden blitzte, das Geschirr war sauber, bei näherer Inspektion stellte sich aber leider heraus, dass die Reinigung des Badezimmers, des Kühlschranks und des Ofens dafür nicht stattgefunden hatte. Ihh! Naja, das Badezimmer war nicht angenehm, aber benutzbar, und im Kühlschrank wischte ich zumindest die eine Hälfte, die uns zustand, so sauber, dass ich mein Essen darin platzieren mochte. Der Rest musste erstmal warten, es war schon recht spät.
Als ich dann schlafen gehen wollte: Käfer unter dem Bett!Wir hatten zwar bei der Besichtigung unter der Matratze keine Bettwanzen gefunden, aber vielleicht hatten sie sich einfach gut versteckt? Ich hatte keine Ahnung, die Bettwanzen eigentlich aussahen, und so sorgte das ganze für ein paar Schockminuten, bis sich nach Rücksprache mit Jan und der Vermieterin, sowie der Begutachtung durch unseren Mitbewohner Matt herausstellte, dass es sich um ganz gewöhnliche „potato bugs“ handelte. Puuuh!

Hachja, unser Mitbewohner – zum Glück nur für die ersten zwei Wochen. Dürr, in Shorts, mit Kniestrümpfen, schulterlangen Locken, Hornbrille und Grasgeruch; verdient sein Geld mit einem Kellnerjob, wo er jeden Tag von früh bis spät ist, und ein Buch schreibt er auch. Matt, der jeden(!) Abend auswärts isst und den Herd nur nutzt, um ab und zu Eier zu kochen. Der, wenn er mal etwas zu Essen nach Hause mitbringt, sein Geschirr nicht abwäscht; und die Essensreste entweder offen in der Küche liegen lässt oder den halben Kühlschrank damit blockiert und noch dreckiger macht. Matt, der zweimal am Tag mindestens eine halbe Stunde duscht und dabei das gesamt Bad flutet. Der meint, er würde 100 werden, weil er kaum Alkohol trinkt und gesund lebt (jaaaaa, Pommes und Pizza und Quiche und Pommes und Pizza, aber das Bio-Mandelmus hilft bestimmt!). Matt, der Angst vor Spinnen hat und deshalb sein Zimmerfenster nie aufmacht, und meine Güte, es STINKT wenn er seine Zimmertür aufmacht!
Am ersten Abend standen wir beide in der Küche und haben uns unterhalten, eigentlich war es sogar ganz nett. Ich fand ihn ein bisschen bekloppt, aaber nett. Nur, dass sich das mit der Zeit und seinem Verhalten geändert hat. Ein paar Tage vor seinem Auszug erzählte er mir von seiner neuen Wohnung, und dass er vielleicht, statt am geplanten 30.6. erst am 1. Juli ausziehen wollte, wurde ich schon misstrauisch. Als Jan und ich dann am ersten Juli frühstückten, sein Zeug immer noch in seinem Zimmer war, Matt aber nicht da war, hatten wir schon echt Angst, dass das Gerede von seiner neuen Wohnung genau so ernst zu nehmen war, wie seine Überzeugung, er würde 100 werden... Aber als wir abends wieder nach Hause kamen, war Matt verschwunden, und mit ihm all sein Zeug, nur den Geruch hat er uns hier gelassen. Anfangs versuchten wir noch, das Zimmer zu lüften, haben das aber recht schnell aufgegeben und machen einfach diese Tür nicht mehr auf.....
Jedenfalls ist alles hundertmal besser, seit wir das Apartment für uns haben!

Auch das Badezimmer ist dankbar, mit der ständigen Feuchtigkeit hatte die Fußleiste angefangen, zu schimmeln, was nicht besonders schön war. Regelmäßige Bearbeitung mit Bleiche ist hier angesagt..
Nicht nur dort haben wir Probleme mit der Feuchtigkeit. Auch in unserem Zimmer hatten wir zwei Ecken, in denen sich regelmäßig Pfützen von Kondenswasser gesammelt haben. Alles Lüften hat da nicht geholfen, denn unsere Fenster sind sehr klein, und alles regelmäßig aufzuwischen würde hier auf Dauer auch nicht den Schimmel fernhalten. Und dann passierte der glücklichste Zufall, den man sich vorstellen kann. Am Tag nach der Entdeckung der Pfützen war Jan auf dem Umzug einer älteren Dame von einer Wohnung ohne Klimaanlage in ein Haus mit Klimaanlage. In ihrer Wohnung hatte sie auch Probleme mit Feuchtigkeit, sodass sie zwei Luftentfeuchter besaß – die sie jedoch in ihrem neuen Haus nicht brauchte. Sie wies die Männer an, sie zu entsorgen oder selbst zu behalten. Einen bekam Jans Kollege, und den anderen durfte Jan mitnehmen. Seitdem haben wir eine zwar recht laute, aber äußerst funktionstüchtige Maschine in unserem Zimmer, unser ganzer Stolz und eine große Erleichterung!

Und nachdem nun nach Matts Auszug keine derbe Neuverschmutzung mehr dazu kommen würde, blieb keine Ausrede mehr für Grundreinigung des Badezimmers, Ofens, Kühlschranks und Matts Vorratsschrank.
Das Bad hatte Jan zwar schon am Anfang einmal geputzt, aber inzwischen sah es wieder genauso schlimm aus, sodass ich alles blitzeblank schrubbte.
Im Kühlschrank war es wirklich nicht schön, eine Riesenpfütze angetrockneter Sauce über dan ganzen Boden verteilt, vergeklebte Pappreste und undefinierbare Krümel.. Der Ofen war noch schlimmer. Die Beläge im Ofen mussten mit Heavy-Duty-Spray über Nacht eingeweicht werden, bevor ich sie abwischen konnte.
Im Vorratsschrank fand ich ebenfalls Reis und Krümel und undefinierbares Zeug...und eine alte Pistazie voller Insekteneier. So widerlich! Wir haben zwar alles so weit gesäubert, wie möglich, trotzdem haben wir einie Fruchtfliegen in der Küche und leider auch Lebensmittelmotten inkl. absolut super-ekliger Maden. Zuerst fand ich einige an der Wand über dem Küchenschrank. Als ich dann Reis kochen wollte, und sie auch in dieser Tüte waren, hätte sich mir fast der Magen umgedreht. Seitdem müssen wir leider jeden Bissen erst einmal genau inspizieren. Ich sehe auch schon überall Phantom-Maden! Gelblich-weiße Flecken an den Wänden, Staubflusen, ein Stück Knoblauchschale.. Einmal hatte ich beim Backen Teig auf dem Löffel, und sah zwei kleine Würmchen im Teig. NEIN, dachte ich, und drehte den Löffel, und beides bewegte sich. Fast hätte ich das Ding schreiend in die Süpüle geworfen, aber nach ein paar Mal Hin- und Herdrehen musste ich schon über mich selbst lachen, denn es waren einfach nur kleine Teigspitzen und dieses Phänomen der Bewegung nennt man auch Schwerkraft...
Naja, schön ist die ganze Geschichte trotzdem nicht. Aber die letzten zweieinhalb Wochen werden wir es jetzt auch noch aushalten.
Zum Glück habe ich wohlweislich eine große Fliegenklatsche in meinen Koffer gepackt; rein für die Bekämpfung von ekligen Viechern. Schon einiges in Kriech-, Krabbel- und Fliegetier ist ihr zum Opfer gefallen (davon haben wir, typisch Keller, genug), und ich bin sehr dankbar für ihre Dienste!!


Nun zu unserer Nachbarschaft - sie ist ein wenig seltsam.
In der Straße, in der wir wohnen, stehen, wie gesagt, nette Häuser, da wohnen Familien, alles ist ruhig. Sobald man allerdings auf die nächsten großen Straßen kommt, vergeht kein Tag, an dem ich nicht mindestens 2-3 Obdachlose und/oder Verrückte sehe. Ich weiß nicht, ob die Story wahr ist (finde dazu auch im Internet nichts), aber mir wurde erzählt, dass man einer psychatrischen Klinik in Toronto die Gelder gestrichen hat, sodass sie schließen musste, und alle Patienten sind auf der Straße gelandet. Nicht weit von uns entfernt ist eine Obdachlosenunterkunft, und das würde erklären, warum unter den manchmal armseligen, manchmal auch gruseligen Gestalten, die sich auf der Straße tummeln, auch einige mental kranke Menschen sind. Suchtkranke sind auf jeden Fall dabei. Auch eine Prostituierte schrie mich schon an, ich solle mich gefälligst von ihrem Block fernhalten – da fühlt man sich doch gleich zuhause! Nein im Ernst, besonders abends gehe ich hier nicht wirklich gern alleine.
Ansonsten ist die Lage wirklich genial. Zu Fuß kann man wunderbar das Einkaufszentrum (in dem ich arbeite) und den Stadtkern in die eine Richtung, in die andere Richtung die Straße mit den beiden Supermärkten, einer Leihbücherei, kleineren Haushaltswarengeschäften, einem Drogeriemarkt, Banken usw. erreichen. Eine halbe Stunde dauert es bis zur Harborfront. Jan hat es nur 2 min bis zu Bushaltestelle, die ihn zur U-Bahn zu seiner Arbeit bringt. Trotz der Gefahr, die hier laut des Rufes der Gegend lauert, bin ich ganz zufrieden mit der Lage.

Hachja, und dann war da ja noch das große Unwetter. Besorgte SMS aus Europa, ob wir den großen Regensturm des Jahrtausends überlebt hätten. Für mich lief das ungefähr so ab: Ich arbeitete gemütlich und nichtsahnend im fensterlosen Lager bei Abercrombie & Fitch, als mein Manager, der sich schon in den Feierabend verabschiedet hatte, wiederkam und meinte, er könne nicht nach Hause, da von einem enorm starken Regen die gesamten U-Bahn-Tunnel überschwemmt wären und die Bahnen nicht fahren würden. Ja doof, dachte ich. Und dann, zwei Minuten später: Nein!!! Vormittags hatte noch die Sonne geschienen und es war keine Wolke am Himmel, deshalb hatte ich die Fenster aufgelassen – in einer Kellerwohnung – und nun war von Überschwemmung die Rede!?!?! Sch*****!!! Ich bat sofort darum, meine Pause nehmen zu dürfen, um zuhause nach dem Rechten zu schauen, was ich auch gestattet bekam. Auf dem Weg rief ich Jan an, um zu fragen, wo er war – und es stellte sich heraus, dass er früher als erwartet Feierabend hatte, er schon zuhause war, und rechtzeitig alle Fenster geschlossen hatte. Puuuh! Zum Glück war ich noch nicht allzuweit gelaufen, konnte mich also entspannt auf den Rückweg machen und den Rest meiner Pause sogar noch genießen. Als ich dann meine Schicht beendet hatte, las ich auf meinem Handy „du kommst besser nicht nach Hause, es wird dir nicht gefallen.“ Nächster kleiner Herzinfarkt! Also rief ich Jan wieder an, was ist denn nun los??? Im Endeffekt war doch Wasser in die Wohnung gelaufen, und zwar tatsächlich durch die Wand. Matts altes Zimmer und die Küche standen knöchelhoch unter Wasser. Jan konnte mich zumindest teilweise beruhigen: er hatte schon alles aufgeräumt. Nachdem er unsere Vermieterin nicht erreichen konnte, rief er den Hauseigentümer an, der zum Glück sofort nach Hause kam (er wohnt im Haus neben uns) und der half Jan, alles sauber zu machen (unter anderem mit einem Ungetüm von Vakuum-Sauger). Später musste nur noch alle halbe Stunde/Stunde einmal die kleine Pfütze, die sich wieder bildetet, nachgesaugt werden. Am nächsten Tag lief kein weiteres Wasser aus der Wand.
Insofern habe ich eigentlich von der ganzen Überschwemmung bei uns nichts mitbekommen, aber für Jan muss das ganze ziemlich anstrengend gewesen sein; immerhin hat die Säuberung auch noch zweieinhalb Stunden gedauert. Wäre ich an seiner Stelle nichtsahnend in die Küche getappt, ich glaube, ich hätte einen Nervenzusammenbruch gehabt!

Ich durfte mich dafür noch mit einer ganz anderen Geschichte rumärgern: dem Internet. Als wir einzogen, gab es keinen Anschluss in der Wohnung, Kim wollte sich aber darum kümmern. Nachdem dann aber nichts Hilfreiches weiter passierte, entschied ich, das ganze doch selbst in die Hand zu nehmen.
Nach endlos langen Absprachen konnten wir uns endlich für einen Tarif bei einem billigen Anbieter entscheiden. Ich wollte das ganze online bestellen, brach dann aber kurz vor der Bestätigung ab, weil sich zwei Fragen auftaten, die ich dem Kundenservice zuvor stellen wollte. 20 min später bekam ich tatsächlich einen Anruf, dass ich einen Kaufvorgang im Internet abgebrochen hätte, und warum das denn der Fall sei. Das fand ich seeehr sehr gruselig. Ich erzählte von meinen Fragen, bekam meine Antworten, und bestellte das Internet noch am Telefon. Insofern erreichte der Anruf sein Ziel. Trotzdem fand ich es ungemein merkwürdig, dass jemand da sitzt und abgebrochenen Bestellungen hinterhertelefoniert, wobei meine Daten alle noch gespeichert waren.....
Wie auch immer, wir hatten das Internet bestellt, unsere Vermieterin würde netterweise das Leihmodem abholen und zu uns fahren, und eine Woche später sollte der Techniker zur Installation kommen (ab Bestellung muss man immer 5 Tage warten). Ja aber nicht nur das, sie konnten mir die superpräzise Angabe „zwischen 8 Uhr morgens und 6 Uhr abends“ geben, „seien Sie dann zuhause“. Ja, danke. Um halb 6 Uhr abends kam der Techniker, einen ganzen Tag vertrödelte ich also zuhause und konnte nichts Gescheites machen. Naja, aber er war ja schließlich doch da. Dann sagte er mir, er bräuchte Zugang zum Garten, wobei mir die Kinnlade herunter fiel. Das hätte mir ja auch mal jemand vorher sagen können. Der Garten gehört nämlich unseren Nachbarn, und nein, ich habe keine Möglichkeit, da hineinzugelangen. Eine halbe Stunde suchte der Techniker nach einer anderen Möglichkeit, fand keine, und zog unverrichteter Dinge wieder ab. Ziemlich wütend rief ich den Kundenservice an, ich bräuchte einen neuen Termin, und zwar a) dalli und b) eine genaue Uhrzeit, weil ich nicht von meinen Nachbarn verlangen konnte, dass sie den ganzen Tag mit mir zusammen hier sitzen und warten. Jaa nee, das ginge ja leider nicht, genauere Uhrzeit unmöglich, und weitere 5 Tage müsse ich auch warten, da wäre nichts dran zu machen. Ich war selten so stinksauer; vielleicht war es, weil ich den ganzen Tag schon verplempert hatte und dann für nichts und wieder nichts. Und ständig bei Starbucks einen Kaffee zu bezahlen, nur für Internet, und überhaupt da jedes Mal hinlaufen zu müssen, war extrem anstrengend, zumal ich den regelmäßigen Internetzugang zur Organisation der Schichten bei meiner Arbeit brauchte.
Nun gut, ich bekam einen neuen Termin eine Woche später und durfte mich mit den Nachbarn rumschlagen. Wieder ward unser Landlord der Retter! Er hat nämlich Zugang zu allen Teilen des Gartens, und bot uns Folgendes an: sobald der Techniker hier wäre, solle ich ihn anrufen, und er würde innerhalb von 10-15 min von seiner Arbeit nach Hause fahren, um uns einzulassen. Wow!
Eine Woche später war es dann so weit. Der Techniker rief mich, himmel sei Dank, 20 min vor seiner Ankunft an, sodass ich Sergio rechtzeitig Bescheid sagen konnte. Außerdem war es erst halb 1, sodass ich mich schon auf den Nachmittag freute. Ja, der Techniker kam, ging in den Garten, und musste erst einmal eine neue Verbindung ins Haus legen. Eine ganze Stunde hat das gedauert, und ich machte mir schon Sorgen, dass Sergio dadurch Probleme kriegen würde. Aber der war wesentlich entspannter als ich, bewässter von Hand seinen Garten und fragte mich, ob ich seine neuen Kübelpflanzen genauso schön finden würde, wie er. Zumindest das brachte mich zum Lachen.
Als der Techniker abgefahren war, schloss ich das Modem (ja, ordnungsgemäß dank Schritt-für-Schritt-Bildanleitung; also kein Fehler aufgrund von Frau+Technik) an die brandneue Steckdose an. Das Modem fuhr hoch, blinkte – und stellte keine Verbindung her. Juhu. Neu starten, Kabel überprüfen, nochmal neu starten, alles nix genützt. Also ich den Techniker angerufen – Sergio war aber schon weg. Der Techniker kam trotzdem, richtete uns einen neuen Port ein, baute die Steckdose nochmal neu, tat alles was ihm möglich war. Ich schloss das Modem an, es blinkte, und fand keine Verbindung – dabei hatte der Techniker den neuen Anschluss geprüft, er funktionierte. Das darf doch nicht wahr sein, dachte ich, da muss ja das Modem kaputt sein... Der Techniker ging, und ich rief, mal wieder, den Kundenservice an, der mich an den Technischen Support weiterleitete. Ich fragte, ob vielleicht das Modem kaputt sein könnte, er weigerte sich aber, darauf zu antworten, gab mir stattdessen absolut nutzlose Tips und Hinweise, ich fragte wieder, er ging nicht darauf ein und kam mit dem nächsten Tip um die Ecke. Eine halbe Stunde ging das so, bis er dann doch sagte, das Modem wäre eventuell Schuld, ich müsse wohl zum Büro kommen, und das Modem austauschen. Was, jetzt sollte ich auch noch ans andere Ende der Stadt fahren, weil sie mir ein fehlerhaftes Modem gegeben hatten? Ja, einen Austauschservice hatten sie nicht. Oh man, das hat man davon, wenn man das Billigste vom Billigsten wählt, ich war eigentlich gar nicht mehr wirklich überrascht. Vorher wollte ich aber sichergehen, dass auch wirklich unser Modem Schuld war, so lieh ich mir noch von der Nachbarin das Modem, das konnte ebenfalls keine Verbindung herstellen. Damit war ich so schlau wie vorher, wusste nicht, wo das Problem genau lag, und hatte einfach keine Lust mehr auf den ganzen Mist.
Also ließ ich alles in Ruhe und wartete auf Jan. Als Jan heim kam, wollte ich ihm das Problem zeigen. Ich schloss das Modem an, es blinkte – UND WIR HATTEN INTERNET!!! Das war ein unglaublich süßer Moment. Keine Ahnung, was vorher das Problem war, ist mir jetzt auch egal, solange wir Internet haben. Seitdem leben wir glücklich und zufrieden damit:)

Alles in allem ist unsere Wohnung sicherlich keine Dauerlösung, und es wird mich definitiv alles andere als traurig stimmen, sie wieder zu verlassen! Trotzdem hat sie uns einigermaßen gute Dienste geleistet, und das Geld, das wir gespart haben, war es auf alle Fälle Wert;)

  

27Juli
2013

Die Arbeit ruft! - 1x einfache Einstellung, 1x großes Wirrwarr

Für die Jobsuche ist es in Kanada üblich, bei kleineren Jobs nur ein sogenanntes „Resume“ anzugeben. Das ist im Prinzip ein etwas ausführlicherer Lebenslauf, der die Erfahrungen, Fähig- und Fertigkeiten des Bewerbers herausstellt. Mithilfe des Partnerbüros vor Ort erstellten Jan und ich also dieses alles entscheidende Dokument, und wurden in die weite Welt der Jobangebote entlassen. Sofort lief ich damit durch das Eaton Centre (das große EKZ mitten in der Innenstadt), und stellte mich in verschiedensten Bekleidungsgeschäften den Managern vor. Leider hatten fast alle schon ihre Angestellten für den Sommer. Am Ende machte ich mich dann doch auf zu Hollister, bekam den Termin fürs Interview (Überraschung, die gleichen Zeiten wie in Deutschland). Zur Sicherheit stellte ich mich gleichzeitig bei Abercrombie&Fitch vor, damit mich zumindest einer von beiden einstellte. Die Interviewzeiten waren – natürlich – die gleichen wie bei Hollister, sodass ich erst ein paar Tage später zu diesem gehen können würde. Am nächsten Tag war aber erst einmal Hollister dran. Direkt nach dem Gespräch, bat ich die Managerin, mir eine schnelle Antwort zu geben, da ich möglichst bald anfangen wollte, zu arbeiten. Okay, sagte sie, wir nehmen dich – und damit hatte ich meinen Job. In der gleichen Woche noch sollte meine Einstellung sein.
Bei Jan verlief es ähnlich. Im Partnerbüro unserer Organisation war ihm eine Anzeige eines Umzugsunternehmens aufgefallen, die gutes Geld bezahlen und ihm die Möglichkeit geben wollten, Vollzeit zu arbeiten. Nach einer Mail von ihm wurde er für ein Interview zwei Tage später eingeladen. Der Chef wollte jedoch jediglich einen Blick auf seine Statur werfen, und nachdem Jan für stark genug befunden wurde, war auch er eingestellt, und konnte schon am am Tag darauf anfangen. Seitdem arbeitet er normalerweise 5 mal die Woche, also Montags-Freitags, früh morgens bis open end (mal ist er schon um 15 Uhr zurück, einmal war es halb 1 Nachts). Nur in der letzten Woche gab es kaum Arbeit, sodass es fast jeden Tag frei hatte:-)
Bei mir hingegen gab es noch ein bisschen Trouble. Zu meiner Einstellung am Sonntag nahm ich schon meine alten Arbeitsklamotten mit, da ich dachte, wir würden schon am gleichen Tag anfangen, zu arbeiten. Pustekuchen! Um unseren guten Willen und Ehrgeiz zu zeigen, so sagte man uns, müssten wir unsere erste Schicht in der Facebookgruppe erringen, und zwar von anderen Models, die ihre Schichten loswerden wollten.(ja, sie stellten mich als Store-Model ein – da gab es laut Aussage der Managerin mehr Stunden. Für alle nicht-Hollis: Models sind die Leute, die auf der Verkaufsfläche arbeiten). Na super. Damit hatte ich absolut überhaupt keine Chance auf eine Schicht. Nicht, dass nicht genügend Schichten angeboten wurden. Ich hatte nur weder Internet auf dem Handy, noch zuhause, sodass ich nur ein oder zwei mal am Tag Facebook checken konnte. 10 min maximal nach dem Post war die Schicht aber immer schon vergeben. Ich musste aber dringend anfangen, zu arbeiten, ich brauchte Geld! Ich war ein wenig verzweifelt. Ich ging zu A&F, um dem Manager meine Einstellung bei Hollister mitzuteilen, wobei er deutlich werden ließ, dass er mich einstellen würde, wenn ich wechseln wollte; er suchte nach guten Impacts (für alle nicht-Hollis: das sind die Leute, die im Lager arbeiten). Ich sagte ihm, ich würde zum Interview für einen Wechsel kommen, sobald ich konnte. Da ein Wechsel aber entsprechend Vorlaufzeit brauchte, wollte ich bei Hollister schon mal anfangen. Dehalb lief ich hin, um eine Ausnahme von der „Selbst-Organisation“ zu erbitten. Diesmal sprach ich mit einem anderen Manager, und, Überraschung, der wusst gar nichts von dieser Regel. Ein bisschen hab ich mich schon veräppelt gefühlt. Nun denn, er gab mir ein paar Schichten, und ich war erst einmal zufrieden.
Ich fing an zu arbeiten, aber das Model-Dasein gefiel mir überhaupt nicht. Außerdem las ich in der Gruppe ständig Posts von Kollegen, die nach Schichten suchten, weil sie keine bekommen hatten für die Woche. Wow, dachte ich, das klingt ja super. Der Manager bei A&F hatte mir viele Stunden versprochen, sollte sich herausstellen, dass ich gut arbeite. Also ging ich zum Interview bei A&F, und er wollte mich einstellen. So machten wir einen Termin für den Wechsel aus. Am Tag des Wechsels musste ich nochmal zu Holli, und der Manager wollte mich nicht gehen lassen, weil er meinte, ich sei eine gute Mitarbeiterin. Er sagte, er würde mich zum Impact machen und mir so viele Stunden geben, wie ich wollte. Toll!! Ein (weiterer) Fall von super Kommunikation zwischen Managern! Hätte man mir das vorher gesagt, hätte ich mir den ganzen Stress ja sparen können. Vor allem hatte ich bei Holli inzwischen ein paar Freunde getroffen und wollte diese eigentlich nicht gleich wieder verlassen. Aber der A&F-Manager wartete auf mich, und ich wollte keinen Rückzieher mehr machen. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf.
Bei A&F ist es alles wesentlich unentspannter, das muss ich sagen. Die Manager sind teilweise echt streng, ganz anders als bei Holli. Man kriegt Zeiten, um einen Eimer mit Klamotten für die Verkaufsfläche fertig zu falten oder eine Kiste mit neu eingetroffenen Klamotten auszupacken, mit Sensoren zu versehen, zu falten und im Lager zu verstauen. Wenigstens meine Mit-Impacter sind nett, aber eben auch nicht die Leute, mit denen ich mich bei Holli angefreundet hatte.
Naja, im Endeffekt ärger ich mich ein bisschen, denn bei Hollister zu bleiben, wäre sicherlich die bessere Entscheidung gewesen. Aber auch so komm ich ganz gut klar. Bis letzte Woche bekam ich bei A&F wirklich viele Schichten und auch verantwortungsvollere Aufgben. Nachdem ich nun eine Woche krank war, bin ich anscheinend im Ansehen stark gesunken, für nächste Woche habe ich nur zwei Schichten auf Abruf, was bedeutet, ich muss erst eine Stunde vorher anrufen, ob sie mich überhaupt brauchen. Nervig! Aber jetzt ist mir das auch egal. Zweieinhalb Wochen noch, dann bin ich weg.

Anfangs versuchte ich noch, einen zweiten Job zu finden, da es klar sein würde, dass ich auf Dauer weder bei Holli noch bei A&F Vollzeit arbeiten können würde. Nach einer Woche Arbeit stellte sich dann aber ziemlich schnell heraus, dass das gar nicht möglich war. Jan arbeitete ja jeden Tag von früh bis spät, und kam immer ziemlich geschafft nach Hause. Und irgendjemand muss schließlich auch einkaufen, das Essen kochen, und regelmäßig für Ordnung und Sauberkeit sorgen!
Ich habe meine Schichten meistens abends. So kommt es, dass ich teilweise vormittags einkaufen gehe, mittags das Essen koche, dann zur Arbeit gehe, und Jan sich das Essen abends nur noch warm zu machen braucht, wenn er nach Hause kommt. Insgesamt lebe ich also vor allem auch das Leben einer Hausfrau.
In den zwei Wochen, in denen ich anfangs kaum Schichten hatte, war ich allerdings sehr unglücklich. Ich war den ganzen Tag allein, und dafür bin ich einfach überhaupt nicht geschaffen – ich brauche Leute im mich herum. Ich wollte nicht mehr in Toronto bleiben, am liebsten alles über den Haufen schmeißen und sofort weiterreisen. Aber wir hatten die Wohnung schon im Voraus bezahlt und so ging das natürlich nicht. Also biss ich die Zähne zusammen. Jetzt, wo ich mehr arbeite, ist es wesentlich besser.
Alles in allem gefällt mir der „Work“-Teil beim „Work&Travel“ trotzdem weniger, als das Reisen. Denn, arbeiten und Geld verdienen kann ich auch in Deutschland. Und den Lebensstil hier finde ich auch nicht so sonderlich viel besser, dass ich mich hier wohler fühlen würde als in der Heimat. Insofern bin ich echt froh, dass wir anfangs schon so viel gesehen haben, und auch am Ende unserer großen Reise nochmal eine Tour durch den Osten machen werden:)

14Juni
2013

HALBZEIT - Das Leben in Kanada

Wow! Die Hälfte unserer kostbaren Zeit hier in Kanada ist um. Der Anfang zog sich unglaublich in die Länge, aber in letzter Zeit vergeht alles wie im Flug.
Inzwischen sitze ich schon in Toronto. Viele Stationen haben uns hierher geführt, und unterschiedlichste Gefühlslagen haben wir durchlebt.
Am Anfang war die Spannung, die Euphorie, alles war neu! Doch das Warten auf das Visum zog an den Nerven, und zwar extrem. Ich stellte mich schon darauf ein, früher nach Hause zu fliegen – ich wollte es sogar! So schön ich Vancouver Island auch gefunden hatte, als wir nach insgesamt 5 Wochen in den Rockies ankamen, war ich von Kanada eigentich eher enttäuscht und freute mich sogar, wieder zurück zu fliegen.
Dann kam das Visum. Und ich war hin und hergerissen, wusste nicht einmal, ob ich mich freuen sollte oder nicht!?
Aber bevor ich mir darüber weiter Gedanken machen konnte, zog ich auf die Farm. Der Kontaktabbruch tat sein Gutes, und ich kam – ENDLICH – in Kanada an; nicht nur physisch, sondern auch psychisch.
Die Woche danach, die ich Banff verbrachte, und die Zeit in New York waren einfach nur genial. Und jetzt, eine Woche in Toronto, mit einem festgelegten Ablauf der nächsten 2 Monate, der arbeiten und eine eigene Wohnung einschließt, fühle ich mich einfach nur wohl hier. Und nicht nur das, ich wünschte, ich könnte länger bleiben, noch bis Weihnachten! Doch die Organsisation ist schwierig und die Uni ruft. Teuer ist es auch. Und nicht zu vergessen gibt es eine Menge Menschen, die ich gerne wiedersehen möchte!

Doch wie ist es eigentlich so, auf der anderen Seite des großen Teichs?

Nordamerika (und da fasse ich jetzt mal Kanada und die USA zusammen), ist groß.
Ich meine, einerseits natürlich geografisch. Nicht nur groß, riesig! Trips von einer zur nächsten großen Stadt dauern immer mehrere Stunden, manchmal 7 oder auch 15.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, die hinter sich zu bringen: eine organisierte Fahrgemeinschaft (haben wir probiert, ist aber nie zustande gekommen),fliegen (ist teuer), hitchhiken (dafür waren wir zu faul und wir wussten nicht, wie sicher es ist) oder Bus fahren. Bus fahren ist manchmal super günstig (30 Dollar Seattle hin und zurück), manchmal auch nicht. Auf jeden Fall ist es immer unbequem, wenn man so lange Beine hat wie wir. Trotzdem haben wir, ganz die Sparfüchse, gerade die langen Fahrten immer über Nacht gewählt - so muss man für die Nacht keine Unterkunft bezahlen. Wenn wir dann abends im Bus saßn, verfluchten wir uns dafür, dann kommt es uns aber hinterher nicht mehr so schlimm vor, sodass wir es wiederholen. Irgendwann kommt man ja zum Glück auch an.
Die endlosen Weiten in der Natur sind nicht zu fassen. Man kann hier stundenlang in eine Richtung fahren und niemandem begegnen - in Europa undenkbar. Ich dachte immer ich sei ein Stadtmensch, aber ich stelle fest, dass ich mich am Rand der Zivilisation hier immer wieder am wohlsten fühle. Es gibt mir ein Gefühl von Freiheit, dass ich nur schwer beschreiben kann, es ist, als könnte ich besser atmen, auch wenn das jetzt kitschig klingt;-)
Die Landschaften sind fantastisch. Vancouver Island war großartig, die Berge und Bäume direkt am Wasser, zerklüftete Felsen, Weißkopfseeadler über den Inseln, Wale weiter draußen auf dem Ozean und „freien Blick“ auf Japan und die Antarktis hatten wir laut der Auskunft eines Einheimischen auch einmal. Ebenso konnten mich die Rocky Mountains begeistern. Ich liebe einfach die Berge! Im Gegensatz zu den Alpen (zumindest den Teilen, die ich schon gesehen habe) sind die Täler hier aber viel weiter. Also, richtig richtig weit! Und auch wandern macht mir, entgegen aller Vermutung, Spaß. Während meiner Zeit auf der Farm durfte ich ein paar überwältigende Ausblicke genießen, die ich nie vergessen werde.
Aber nicht nur die Grenzen sind weit auseinander. Auch da, wo Bebauung ist, ist alles groß. Die Straßen sind breiter und geräumiger, die Häuser höher, selbst in einer Kleinstadt wie Banff (zumindest was die Straßen angeht).
Das geht bis hin zum Einkauf, Shampooflaschen in min. 400ml Flaschen und 2, 5 oder 10 Kilo Mehlpackungen (im normalen Supermarkt).
Selbst die Geldscheine sind größer.
Die Preise übrigens auch, und zwar erheblich. In den USA kommt es auf den Ort drauf an, man kann auch günstige Angebote finden. Aber in Kanada haben wir bisher kaum etwas zum deutschen Preis oder sogar günstiger gekauft. Ein Einkauf, der mich bei Penny unten im Haus bei meinem Paps um die 8,50€ kostet, macht hier, abhängig vom Supermarkt auf einmal 20-30$, was ungefähr 15-22,50€ entspricht. Als Essensliebhaber ist das Einkaufen für uns manchmal nicht so einfach.
In Deutschland achteten wir immer gerne auf Qualität und zahlten auch ab und zu mal einen höheren Preis..vielleicht liegt das daran, dass vor allem Mami&Papi das mit finanziert haben. Aber auch, weil es das wert war. Hier achten wir fast immer auf jeden Dollar, sodass wir uns mit dem Günstigsten zufrieden geben (müssen), damit die Kosten nicht ins Unermessliche steigen.
Aber es liegt nicht nur an den Preisen. Manchmal sind (für unsere Ansprüche) qualitativ hochwertige Lebensmittel nicht zu finden, unsere Essgewohnheiten sind einfach anders. Das fängt an mit der Butter, ungesalzene gibt es nur selten, was soll man aufs Rosinenbrot schmieren, womit backen? Joghurt besteht aus Milchbestandteilen, modifizierten Milchbestandteilen, modifizierten anderen Bestandteilen und fast immer auch aus Gelatine – selbst der gerührte; das gleiche gilt für Sour Cream und ähnliches. Ooohne Sinn...
Käse... also, wenn ich auf einer Käsepackung lese „made with real cheese“, oder auch „cheese blend“ oder „with cheese flavour“ da will ich gar nicht wissen, was da sonst so drin ist! Und selbst der ist restlos überteuert, 454g Reibe“käse“ für 10 Dollar (gesehen auf Van Island)!? Und europäischer Käse dann 100g für 12-15 Dollar für ein richtig gutes Stück..
Säfte sind natürlich meist aus Konzentrat (wenn überhaupt) und mit viel Zucker versehen, Direktsäfte dagegen wieder teuer.
Fleischpreise nähern sich den Käsepreisen, nur dass hier richtiges Fleisch drin ist, zumindest im abgepackten, unverarbeiteten. Die meisten Packungen mit Salami oder Mortadella oder „Schinken“ sehen schon so unappetitlich aus, dass ich die Preise gar nicht angeguckt habe.
Obst und Gemüse frisch zu finden ist übrigens auch immer eine Glückssache. Essen planen haben wir schon halbwegs aufgegeben, wir gehen in den Laden und gucken, was frisch aussieht, ist zum Glück immer mal was anderes;-)
Oh, und Brot! Ich als Brotesser muss mir hier andere Grundnahrungsmittel suchen, denn ich fühle mich nicht in der Lage, Toast (auch wenn Vollkorn drauf steht) als Brot zu bezeichnen. Ich mag echtes Vollkornbrot, dass nicht nachgibt, wenn man versucht, es zusammen zu drücken. Das gibt es hier aber leider nur GANZ selten, ist immer besonders teuer und schmeckt dann nichtmal wirklich gut. Ich kaufe es trotzdem fast immer, wenn ich es sehe, weil es einfach viel mehr sättigt und gesünder ist (tatsächlich sind hier nicht unbedingt schlimme Zusätze drin).
Naja, man muss dazu sagen, wir haben auch recht hohe Ansprüche an Essen und messen dem eine große Bedeutung bei (sieht man ja auch schon an der Länge des Textabschnitts, ups:-P). Aber auch wenn wir manches gruselig finden, kommen wir inzwischen eigentlich ganz gut klar. Man findet immer mal wieder hier und da ein Produkt (auch Käse), das gerade im Angebot ist und essbar erscheint, also wir verhungern auf keinen Fall:-)

Ist auch irgendetwas klein? Ja, tatsächlich, und zwar ich. Es gibt nur wenige kanadische Provinzen, in denen man mit 18 schon volljähirg ist, der Standard ist 19. In BC (Vancouver und Van Island) war ich also wieder ein Kind! Schon ein komisches Gefühl. Keine Clubs und kein Alkohol für Klein-Angi. In Alberta (Banff/Rockies) wiederum konnte ich zum Glück mal feiern gehen. Ach, noch mehr zum Thema klein – die Clubs schließen schon um 2. Kleinstadtparty halt! - ähh nee, ist in Vancouver angeblich auch nicht viel anders. Okaaay, da hat Hamburg wohl mehr zu bieten:D
Überhaupt finde ich, dass weder Vancouver (auch wenn von Bergen und Wasser umgeben), noch Seattle oder Toronto als Stadt Hamburg irgendetwas voraus haben, auch wenn besonders Seattle auf keinen Fall wenig Charme besitzt! Einzige Ausnahme bisher war New York. Auch wenn das nicht gerade die oben beschriebene Natur ist – für eine Stadt ist NYC einfach großartig. Allerdings, um zum Thema zurück zu kommen, ist in den USA natürlich die Volljährigkeit erst mit 21 erreicht, sodass ich – wieder – zum Kind wurde. Manchmal ist das auch nicht schlecht, gibt manchmal vergünstigte Tickets für ÖPNV oder kostenlose Bankkonten und so! Aber nee, ich bin schon froh, dass ich hier in Ontario in 6 Wochen – wieder – volljährig werde!

Aber es ist noch nicht vobei mit den Umstellungen – eine davon ist die Zeit. Vancouver, Seattle und Van Island haben momentan 9 Stunden, Banff 8 Stunden und NYC sowie Toronto 6 Stunden Unterschied zu Deutschland. Deutschland ist Kanada dabei voraus: gestern abend, bei uns der 13.06. um 21 Uhr, war es in Hamburg schon der 14., 3 Uhr morgens.

Die wohl größte Änderung am Lebensstil ist wohl das Wohnen im Hostel. Es hat seine Vor- und Nachteile. Man lernt superschnell Leute kennen (wenn man will), beim Frühstück, beim Kochen, auf dem Gang, im Fahrstuhl, im Gemeinschaftsraum, überall entstehen Gespräche (das ist übrigens typisch für hier, ich könnte die Liste weiterführen mit: im Bus, in der Schlange an der Kasse, an der roten Ampel, ...) und natürlich auch im Zimmer. Außerdem ist es um einiges bezahlbarer als Hotels. Man kommt in 4er oder 6er Zimmern mit Etagenbetten unter. Manchmal hat man Glück, und man hat super nette Zimmernachbarn, mit denen man auch tagsüber etwas unternimmt. Oder man hat Pech, und hat Saufnasen, die nachts/morgens lärmend und blau ins Zimmer torkeln, alles volldünsten und/oder lauthals schnarchen. (Aber ich hab vorsorglich meine Super-Ohrstöpsel dabei, die dämpfen alles weg! Tolle Dinger, ich werd sie nie wieder hergeben!) Oder die Menschen sind irgendwas dazwischen, man unterhält sich ab und zu nett oder lebt einfach nebeneinander her.
Für mich als kleinen Paranoid war es anfangs (und ist es teilweise immer noch) nicht so einfach, mein ganzes Zeug einfach im Zimmer liegen zu lassen – ich traue niemandem, denn Vorsicht ist besser als Nachsicht! Es gibt zwar immer Schließfächer, wo man Wertsachen einschließen kann, aber was ist mit dem Rest? Naja, wer soll schon Interesse an meinem Zeug haben – dachte ich – und schwupps war mein teures, gerade gekauftes Duschgel vom Bodyshop weg. Wusst ichs doch! Aber wer klaut bitte Duschgel, vor allem, weil sonst nur Jungs im Zimmer waren? Hmm..
Selbiges gilt für das Essen. Die meisten Hostels haben eine Gemeinschaftsküche. Diese sind meistens mit den Basics ausgestattet, Geschirr und Besteck, absolut unscharfe Schneidemesser und Pfannen und Töpfe mit abgekratzter Beschichtung und nicht-passenden Deckeln. Die Herdplatten werden entweder nicht richtig heiß oder viel zu doll, aber wir sind anpassungsfähig (geworden). Auch hier wurde uns einmal eine Tüte aus einem der großen Gemeinschaftskühlschränke geklaut, allerdings völlig random, darin befanden sich ein angebrochenes Stück Butter, eine Tube BBQ-Sauce und zwei große Becher Fruchtjoghurt. Dabei lagen offen sichtbar (guter!) Käse und auch Kuchen im gleichen Kühler! Naja.. Ansonsten hatten wir bis jetzt Glück und es wurde nichts von anderen weggefuttert:-)
Die Waschräume sind eine andere Geschichte. In manchen Hostels gibt es ein geteiltes Badezimmer, das direkt an den Schlafraum angrenzt, sodass nur die Leute, mit denen man das Zimmer teilt, das gleiche Badezimmer benutzen. Das ist immer ganz angenehm. Allerdings gibt es auch Hostels, wo sich richtige Waschräume mit mehreren Dusch- und Toilettenkabinen befinden, die dann am Ende des Gangs sind, sodass man da erst ganz hinlaufen muss, und die natürlich (noch) weniger sauber sind. 
Was man am meisten vermisst, ist die Privatsphäre. Am Anfang fand ich es super, im Hostel zu leben und mit vielen verschiedenen Leuten zu reden, und eigentlich gefällt es mir auch immer noch. Aber man ist quasi nie allein, deswegen freue ich mich, in nächster Zeit mal eine eigene Bude zu haben! Wo man nicht allein einschließen muss, wo man auch mal seine Ruhe hat, und wo man nicht das Geschirr sofort abwaschen und wieder wegstellen muss.

Bald fängt auch für mich das Arbeiten an, und so werden wir für zwei Monate mal wieder Routine haben. So wird es einfacher, beständige Freundschaften aufzubauen und nicht nur schnelle Kontakte zu küpfen. Vielleicht kommt dann auch etwas Ruhe in mein Leben und ich habe mehr Zeit, wieder regelmäßig joggen zu gehen, mal ein Buch zu lesen oder mich mit Dingen wie Uni zu beschäftigen.

Was wohl die nächste Zeit bringt? Ich werde euch auf dem Laufenden halten:-)

28Mai
2013

The (Amazing) Big Apple


Liebe Freunde,
Seit ein paar Jahren träumte ich nun schon von einer bestimmten Stadt. Einer Stadt voller Leben, einer Stadt mit Stil, der Stadt mit dem ungefähr größten Coolness-Faktor: New York City. Thema in Songs von Alicia Keys, Frank Sinatra u.v.m., Schauplatz von Filmen und Serien wie How I Met Your Mother und Gossip Girl, verspricht sie Glamour und jede Menge Spaß. Und ich kann euch sagen, sie hat mich nicht enttäuscht! Leute, wer von euch auch schon immer mal nach New York wollte – fliegt hin. Wirklich. Es ist genauso, wie ihr es euch vorstellt, vielleicht sogar besser!

Im Folgenden gibt es Fotos und Geschichten, jeweils dem entsprechenden Stadtteil zugeordnet.

QUEENS
Unser Hostel lag in Astoria/Queens, also nicht direkt Downtown. 20 min dauerte es, vom Hostel zur nächsten Bahnstation zu laufen, sodass wir diese Straße jetzt ganz gut kennen;-) Eine nette Wohngegend:



Auch eine Einkaufsstraße mit vielen Shops und Restaurants war in der Nähe.  Hier fanden wir einen unglaublich günstigen Supermarkt, was uns (und unsere Geldbeutel) seeehr glücklich machte. Und auch ein schnelles Essen, Pizza auf die Hand oder Chinese Take-away, war einfach gefunden.



Unser Anreisetag war anstrengend. Der Flug von Calgary aus ging nach Chicago. Nach knapp einer Stunde Zwischenstopp sollte es weitergehen nach New York. Das war schon knap berechnet, und es kam wie es kommen musste: Wir hatten unheimliche Verspätung, sodass wir in Chiacgo 5 min hatten zwischen Ankunft und Boarding für den nächsten Flug - und wir mussten auch noch das Terminal wechseln! Wir schafften es rechtzeitig. Ein bisschen besorgt, ob unsere Koffer den Sprung auch geschafft hatten, waren wir heilfroh, am Gepäckband in NY die geliebten Stücke entgegen zu nehmen. 
Ohne Karte und nur mit einer Adresse und ungefähren Idee liefen wir samt Gepäck also los, das Hostel zu suchen. Was damit endete, dass wir nach 20 min jemanden fragten. Wir waren in die richtige Richtung unterwegs, nachdem wir schon einen Umweg gelaufen waren - allerdings war der Weg trotzdem erheblich länger, als wir angenommen hatten. Nach 30 min Koffer ziehen in viel zu warmen Klamotten kamen wir schlagkaputt und hungrig endlich an. Wir schafften es nur noch zum nächsten Diner, der genau war, wie man ihn sich vorstellt: Leuchtschriften, Chrom, Plastiksitze, Jukeboxe, Pickles, Burger und Fries, Pecan-Pie und Milchshakes. Hmmm!



Ansonsten gibt es hierzu eigentlich nicht viel zu sagen. Da wir nur begrenzt Zeit hatten, waren wir eigentlich meistens in Manhattan und lernten von Queens tatsächlich nur den Weg vom Hostel zur Subway-Station kennen;-)

BROOKLYN
In dem älteren Stadtteil Brooklyn Heights gibt es ebenfalls nette (Wohn)-Häuser.



Vor allem aber gibt es den Brooklyn Bridge Park mit einem tollen Blick auf die Brooklyn Bridge und Manhattan.



Aus oben genanntem Grund haben wir auch sonst von Brooklyn nichts mehr angeschaut..

NEW JERSEY
...ist zwar kein Stadtteil New Yorks - aber hier lag die nächste Outletmall, der ich natürlich auch einen Besuch abstatten musst:-P Auf der Jagd nach Laufschuhen und Sportbekleidung (dafür hatte ich beim Hinflug keinen Platz im Koffer) klapperte ich die diversen Factory Stores der bekannten Marken ab und wurde auch fündig. Ansonsten gab es hier nur die üblichen Verdächtigen, Hollister (uuuuuhhh spannend!) und A&F, American Eagle, Aeropostale, Forever 21, etc. und viele davon nicht einmal Outlet-Stores. Außerdem war Platz im Koffer, wie gesagt, leider knapp, der in meiner Geldbörse dagegen viel zu groß, sodass ich nichts weiter kaufen konnte. 
New Jersey als solches bekam nicht wirklich viel von meiner Aufmerksamkeit. Den Teil, den ich auf der Busfahrt zu sehen bekam, fand ich sowas von unspannend, dass ich keinen zweiten Gedanken an eine weitere Erkundung der Gegend verschwendete.

Ja, darauf wartet ihr schon, ich weiß:
MANHATTAN
...das wahre New York, wie manche sagen! Nicht überall stehen Wolkenkratzer, naja, aber fast. Manchmal kam sogar ich mir klein vor! Zum ersten Mal fand ich auch die Mischung zwischen alten Gebäuden (und davon gibt es einige!) und modernen Bauwerken interessant.

 

Die New Yoker geben sich viel Mühe, ihre Stadt mit Bäumen und diversen kleineren Parks zu versehen und den Stadtkern trotz dichter Bebauung so grün wie möglich zu gestalten. Der Central Park ist ein wirklich groooßer Park genau in der Mitte Manhattans. Einmal komplett von Süden nach Norden liefen wir (was nicht zu unterschätzen war, dauerte ca eine Stunde). Wie in vielen nordamerikanischen Parks führen einige Straßen durch den Park und auch die normalen Wege sind geteert, was ich persönlich nicht soo schön fand. Aber an sich ist der Park war sehr hübsch angelegt: viele große Wiesen, Büsche und Bäume, Blumenbeete, Kutschen, Seen mit Möglichkeit zum Paddeln, Brücken, kleine Wasserfälle und Bäche, Sportplätze für alle erdenklichen Sportarten, Restaurants, Artisten wie Straßenmusiker und Riesenseifenblasenmacher, ein Zoo, ein Karussel, und viele Trinkbrunnen. Besonders letztere waren wirklich genial, denn die Sonne schien und wir hatten über 30 Grad :-)



Auch am Hudson River kann man wunderbar spazieren gehen, besonders in den Abendstunden, wenn die Sonne auf der anderen Seite untergeht. Man muss allerdings auf bestimmten Strecken aufpassen, dass man nicht von Fahrradfahren oder Inline-Skatern weggefegt wird;-)
Ganz besonders angenehm war es trotzdem für uns, da die leichte Brise am Wasser - endlich - Abkühlung brachte. Nach Schnee in Banff 3 Tage vorher waren die sommerlichen Temperaturen schon ein kleiner (wenn auch positiver) Schock:-)

  

Auf dem Times-Square kommt es gern mal zur Reizüberflutung. In ganz Manhattan sind viele Menschen, aber hier sind es SEHR viele. Leuchtreklame wo man hinschaut, verschiedenste Gerüche und Musik. Hier tummeln sich verschiedene Broadway-Produktionen, Madame Tussauds, Ripleys Believe It Or Not, außerdem Klamotten- und Markenläden, Souveniershops, Restaurants etc. ohne Ende.

     

Ich war auf jeden Fall happy :-D
 


Wall Street *gähn* - nur um es mal erwähnt zu haben, aber davon hab ich nicht einmal ein Foto gemacht...

Der Freiheitsstatue dagegen konnten wir schon mehr abgewinnen. Vom Ufer in Manhattan aus kann man sie allerdings nur recht weit entfernt sehen.

Aufgrund von Bauarbeiten nach "Sandy" war die Insel leider (immer noch) geschlossen, sodass man sie nicht wirkich besichtigen konnte. Eine Hafenrundfahrt sollte 25$ kosten, was uns zu viel war. Zum Glück bekamen wir den Tipp, mit der kostenlosen Fähre nach Staten Island zu fahren, was wir auch taten - hin und nach kurzer Pause direkt wieder zurück, und vor allem recht nah an der Freiheitsstatue vorbei:-)
Warum die kurze Pause? Leider bin ich doch einigermaßen anfällig für Seekrankheit, ganz schön doof, sodass wir auf Staten Island eine kleine Rast machen mussten, damit ich die Rückfahrt "unfallfrei" überstehen konnte...



Der genialen Blick auf Lower Manhattan hat mich aber zum Glück ein bisschen abgelenkt.



Die High Line ist eine ehemalige Bahnstrecke, die, im schon erwähnten Bestreben der New Yorker, ebenfalls zu einer kleinen Oase umgebaut wurde. Bepflanzt mit Gräsern Büschen und Blumen an der Seite ist sie ein netter Ort zum Spazierengehen und ausruhen. Meines Erachtens ist sie viel zu kurz, hätte ruhig noch länger darauf laufen können;-)

 


New York hat viele wunderschöne alte Bauwerke, z.T. Museen wie das George Gustav Heye Centre, das ehemalige U.S. Customs House, wo man gerade eine interessante - und vor allem kostenlose - Ausstellung zum Leben und der Geschichte der Native Americans besuchen kann (ja wir waren tatsächlich in einem Museum:O leider waren wir sehr spät dort, sodass wir nicht alles anschauen konnten, bevor das Museum zu machte)



die New York Public Library



oder auch Grand Central Terminal


 

Die Brooklyn Bridge ist eine ziemlich lange Brücke, die Lower Manhattan mit Brooklyn verbindet. Sie ist mit dem Auto oder Rad befahrbar, und man kann auch darüber laufen - aber es war soo heiß (ja, wir hatten 5 Tage lang 30 Grad +), wir waren zu faul;-)



Stattdessen gönnten wir uns lieber eine kleine Erfrischung bei DD

 

Chinatown ist vor allem überwuchert von Souvenir-Läden, aber so richtig erkundeten wir es nicht. Wir hatten nämlich Hunger und es zog uns eher in das benachbarte Little Italy. Ganz nach dem Vorbild italienischer Touri-Orte reihte sich dort Restaurant an Restaurant, und von allen Seiten wurde man eingeladen, sich zu setzen und zu essen oder auch nur etwas zu trinken. Die Pizza, die wir schließlich bestellten, war natürlich trotzdem kein Vergleich zu den echten italienischen - schade!



Harlem ist ein weiterer Stadtteil, der im Internet als sehenswert beschrieben wurde. Vielleicht hab ich nicht die richtigen Ecken gefunden, jedenfalls fand ich es ganz nett, aber auch nicht viel mehr..



Grüße vom GossipGirl - auf den Stufen des Metropolitan Museum of Art



Mehr als einmal durften wir in der Bahn Zeugen von kleinen Tanzeinlagen werden. Und ich dachte, das gibts nur im Film! Aber die tanzen und turnen da wirklich durch die Wagen. Diese Vorführung fand ich am besten:



Berühmte Aussichtspunkte hat NYC, einer eine ist das Rockefeller Center, in dem auch viele Shops sind. Aufgrund der Kosten waren wir nicht auf der Aussichtsplattform, sondern nur auf der Ebene mit den Geschäften, und auf dem Rockefeller Plaza.



Um Aussicht zu genießen, besuchten wir stattdessen eines Abends das Empire State Building,  (wieder) das höchste Bauwerk in Manhattan. Auch - oder gerade - um halb 10 abends war es natürlich gut besucht, über eine Stunde brauchten wir von der Eingansgtür auf der Straße, über Security wie am Flughafen, am Tickerschalter vorbei und dann über zwei verschiedene Fahrstühle, bis wir endlich oben waren. Aber dann, was für ein Panorama! Ich konnte gar nicht genug davon bekommen! Jan machte allerdings ziemlich bald die Höhe zu schaffen, sodass wir, sobald meine Fotografiersucht einigermaßen befriedigt war, recht schnell wieder nach unten fuhren.

 


Und schon mussten wir uns wieder verabschieden, bye Manhattan, bye Queens!


 
Unter anderem aufgrund des superschönen Wetters hatten wir eine geniale Zeit in NYC - und es wird bestimmt nicht die letzte in diesem Leben gewesen sein! :-)

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